Gemeindemitgliedschaft, Gemeindezucht und die Liebe Gottes

Nachdem Jonathan Leeman, Ältester bei der Capitol Hill Baptist Church von Mark Dever, im Rahmen der 9Marks Reihe schon in zwei kleineren Büchern über Gemeindemitgliedschaft und Gemeindezucht geschrieben hat, widmet er sich in dem größeren und ausführlicheren Buch „The Church and the Surprising Offense of God’s Love: Reintroducing the Doctrines of Church Membership and Discipline“ diesen Themen auf einer tiefschürfenden, theologischen Ebene.

Gedanken zur Gemeindewachstumsbewegung

In seinem einflußreichen Buch „Dining with the Devil – The Megachurch Movement Flirts with Modernity“ setzt sich der Autor Os Guinness mit der Frage auseinander, wie die Moderne das Christentum beeinflußt und, weil sie vielfach unkritisch aufgenommen wird, auch verändert.

Die Moderne als globale Kultur ist heute ein zentraler Fakt des menschlichen Lebens. Sie wurde aus den Kräften der Modernisierung, Kapitalismus, Industrialisierung und den modernen Kommunikationsmöglichkeiten geboren. Für Menschen im allgemeinen, aber auch für Nachfolger Jesu, ist sie ein zweischneidiges Schwert. Sie eröffnet viele Möglichkeiten, birgt aber auch Gefahren. Im Zuge der Moderne wurde die Frage der kulturellen Autorität neu gestellt und neu beantwortet. Welche Gruppen und Institutionen beeinflussen die Werte, Ziele und Ideale einer Gesellschaft? Die Moderne stellt die Gemeinde Christi vor die Versuchung, an dem Konsumdenken der größeren Gesellschaft teilzunehmen statt in die echte Nachfolge Christi zu treten.

Den richtigen Jesus anbeten

Voddie Baucham macht in dieser Predigt deutlich, wie wichtig es ist, welches Bild wir von Jesus haben. Sehen wir in Ihm nur einen sanften, liebevollen, netten Mann, oder erkennen wir auch Seine göttliche Majestät und Herrlichkeit an?

Das Buch der Offenbarung beginnt mit einer Beschreibung von Jesus, die im Neuen Testament mit Ausnahme von Kolosser 1 seinesgleichen sucht. Jesus ist der treue Zeuge, der Gottes Gesetz vollkommen gehalten und Sein Wort völlig ausgerichtet hat. Er ist der Erstgeborene von den Toten und damit der Garant unserer Auferstehung. Und Er ist trotz des augenscheinlichen Chaos in der Welt und der Verfolgung der Gemeinde der Herr über alle Könige.

Das Jüngerschaftsprinzip aus 2. Timotheus 2:2

Paulus nannte Timotheus sein „geliebtes Kind“ im Glauben (2. Timotheus 1:2). Er stammte aus einer Familie, die ihn schon früh in den Heiligen Schriften unterwies. Paulus führte ihn vermutlich während seiner ersten Missionsreise, als er auch die Heimstadt von Timotheus, Lystra, besuchte, zum Glauben an Jesus (siehe Apostelgeschichte 14:6-23). Dort stieß Paulus im Übrigen auf starken Widerstand und wurde sogar gesteinigt, wodurch er früh ein Vorbild für Timotheus wurde in der Bereitschaft, für das Evangelium zu leiden. Während seiner zweiten Missionsreise kehrte er nach Lystra zurück und wählte Timotheus zu seinem Begleiter aus (Apostelgeschichte 16:1-3). Obwohl Timotheus zu diesem Zeitpunkt erst circa 20 Jahre alt war, war er schon für seine Gottesfurcht bekannt. Er wurde für den Rest seines Lebens zum treuen Jünger, Freund und schließlich Mitarbeiter des Paulus. Mit ihm wirkte er in Beröa, Athen und Korinth, und er begleitete ihn auf seiner Reise nach Jerusalem. Er war mit Paulus in Rom bei dessen erster Gefangenschaft und ging nach seiner Freilassung nach Philippi. Paulus erwähnte ihn immer wieder in seinen Briefen und sandte ihn wiederholt als seinen Vertreter zu den Gemeinden. Timotheus wurde schließlich Pastor der Gemeinde in Ephesus.

Gemeinden am Wort Gottes ausrichten

Daß die Gemeinde sich immer wieder neu am Wort Gottes ausrichten soll, war ein Schlachtruf, der in der Reformation durch das Prinzip Sola Scriptura seinen Ausdruck fand. Allein die Schrift sollte der Richter, die Regel und die Richtschnur für das kirchliche Leben sein. Wie das Buch „Mission Drift – The Unspoken Crisis Facing Leaders, Charities, and Churches” von Peter Greer aber deutlich macht, können selbst Gemeinden, die auf diesem Prinzip gegründet wurden, allmählich von ihrer ursprünglichen Mission abdriften. Man verliert die Bestimmung, weil andere Dinge im Gemeindealltag wichtiger werden oder neue Ziele zur Mission der Gemeinde hinzugefügt werden, die den ursprünglichen Zielen widersprechen oder sie in der Praxis neutralisieren. Peter Drucker empfiehlt fünf Fragen, die sich jede Organisation stellen sollte, um sich wieder an ihre ursprüngliche Mission zu erinnern. Im Gemeindekontext empfiehlt es sich, bei der Beantwortung dieser Fragen eine Bibel zu Rate zu ziehen, damit man wieder ganz neu aus der Heiligen Schrift erkennt, wozu Gemeinde geschaffen und was ihr Auftrag in dieser Welt ist.

Christentum ohne Christus

In seinem grundlegendem Werk „Christless Christianity“ bespricht Michael Horton die religiöse Lage und die gelebte Spiritualität in Amerika. Seine zentrale These ist, daß das Evangelium von Jesus Christus vielfach ausgeklammert  und Gottesdienst als unser privater Dienst gegenüber und unsere persönliche Erfahrung von Gott verstanden wird, der unser Leben in einfachen how-to Schritten verändern möchte. Horton nennt das Werksgerechtigkeit. So wie die Juden versuchten, ihre eigene Gerechtigkeit vor Gott durch das Gesetz aufzurichten (siehe Römer 10:3), so versucht der moderne Evangelikalismus durch missionales Denken, praktische Theologie, postmodernen Gemeindebau und sucherfreundliche Gottesdienste aus eigenen Kräften Gottes Reich zu bauen und versteht das Christentum mehr als „moralistischen, therapeutischen Deismus“, statt als Leben durch, aus und hin zum Evangelium Jesu Christi.

Apotheose und das moderne Streben nach Ruhm

In dem Videoclip zeigt ein junger New Yorker, wie leicht es ist, eine Berühmtheit zu werden, und wie tief das moderne Verlangen sitzt, Menschen in den Status eines Gottes zu erheben, sie zu vergöttern. Das Altertum hatte dafür den Begriff der Apotheose, bei der geglaubt wurde, daß große Persönlichkeiten in den Status eines Gottes erhoben und als solcher verehrt und um Hilfe ersucht werden konnten.

Der Prophet Jesaja offenbart im 43. Kapitel seines Buches dagegen die wahre Bestimmung des Menschen. Er wurde nicht dazu geschaffen, seinen eigenen Ruhm zu suchen und zu vergrößern, sondern er ist zur Ehre Gottes geschaffen. Der Mensch wurde im Bilde Gottes geschaffen, damit er dessen Größe und Herrlichkeit sucht und widerspiegelt.

Unsichere Leiter

In einem Vortrag im Rahmen seiner Gemeindegründungskonferenz 2011 sprach Pastor Johnny Hunt von der First Baptist Church Woodstock über unsichere Leiter in christlichen Gemeinden, ihre Merkmale und welche Probleme sie schaffen. Diese Botschaft sei unter den am meist-nachgefragten Themen, da Gemeinden immer wieder davon betroffen wären. Einer der Hauptgründe für Probleme im Dienst der Gemeinden seien unsichere Leiter. Leiter, die gute Mitarbeiter verprellen, weil sie sich von ihnen bedroht fühlten. Als Beispiel gab er König Saul im Alten Testament und seine Beziehung zu David. Saul wäre der unsicherste Leiter der ganzen Bibel. Leiterschaftsentwicklung sei aber gerade für Gemeinden wichtig, denn wenn man eine Gemeinde zum wachsen bringen möchte, muß man in das Wachstum ihrer Leiter investieren. Es gäbe schon genug Ermahnung in Gemeinden, nun müsse auch das Vorbild guter Leiter folgen. Der Kernauftrag einer Gemeinde sei es, Menschen zu Jüngern zu machen. Dazu benötige es Leiter, die ihre Verantwortung in der Jüngerschaft wahrnehmen. Dagegen seien unsichere Leiter ein Schaden sowohl für sich selber, als auch für die Gemeinden, die sie leiten. Sie bringen ihre Gemeindemitglieder und ihren Dienst in Gefahr, weil sie nur an sich selbst, anstatt an andere denken.