Gott wirkt durch unser Versagen

Man weiß nie, vor welchem größeren Unglück einen das Pech bewahrt hat. Cormac McCarthy

Laßt uns nicht entmutigt werden, wenn wir in der Nachfolge Christi nicht dem entsprechen, was wir uns gern wünschen, oder sogar wiederholt versagen. Gott schützt uns manchmal durch unser Versagen vor noch vielen größeren Gefahren, z.B. unserem Größenwahn. Außerdem sind Zeiten der Erkenntnis, daß wir nicht das sind, was Gott gerne möchte, Zeiten, in denen wir in der Liebe zu Christus wachsen können.

Gesetz vs. Evangelium

Martin Luther hat in seinem theologischen Denken sehr stark zwischen den Begriffen Gesetz und Evangelium unterschieden. In seinem Kommentar zum Galaterbrief schreibt er:

Wenn ein Pferd reden könnte, müßte es zugestehen, daß es zwei verschiedene Dinge sind, wenn ihm das eine Mal der Pferdeknecht Hafer zum Fraß vorwirft und wenn er ein anderes Mal auf ihm reitet. So sind Verheißung und Gesetz so weit wie Himmel und Erde voneinander entfernt. Das Gesetz fordert: Tu das! Die Verheißung schenkt: Nimm das!

In Christus sein

Warum wird eigentliche die wichtigste Bezeichnung des Neuen Testaments für die Nachfolger Jesu Christi, nämlich daß sie „in Christus“ sind, heute so wenig von ihnen als Selbstbezeichnung gewählt? Diese Frage ist der Aufhänger eines äußert interessanten Buchs von Sinclair Ferguson „The Whole Christ: Legaglism, Antinomianism, and Gospel Assurance„.

Ferguson beschäftigt sich in diesem Buch mit dem Spannungsfeld zwischen Gesetzlichkeit und ihrem Gegenteil, Freizügigkeit. Er bettet seine Überlegungen in eine Behandlung einer historischen Auseinandersetzung innerhalb der schottischen Kirche ein. Dort hatte im 18. Jahrhundert ein Buch namens „The Marrow of Modern Divinity“ großes Aufsehen erregt, weil es von Pastoren benutzt wurde, um die Gesetzlichkeit der Kirche ihrer Zeit anzuklagen und wieder neu auf Jesus und die Herrlichkeit seines Evangeliums hinzuweisen.

Werksgerechtigkeit light

Warum fehlt in vielen Gemeinden und im Leben vieler Christen die tiefe Freude, die doch das Evangelium eigentlich verspricht?

Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu töten und zu verderben; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es im Überfluß haben. Johannes 10:10

Ich schließe mich der These von Michael Horton an, daß es daran liegt, daß an vielen Orten gar nicht wirklich das Evangelium predigt wird, sondern eine milde Form der Werksgerechtigkeit.

Erkläre!

Oft wird die christliche Botschaft folgendermaßen dargestellt: Jesus hat dir viel zu bieten (Frieden, Freude, Erfüllung, etc.). Um es zu empfangen, mußt du nur an ihn glauben.

Das Evangelium der Gnade nach Augustinus

In seiner ergreifend geschriebenen Autobiographie „Bekenntnisse“ schildert der Kirchenvater Augustinus, wie er zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. Dabei geht er auch sehr offen mit der Sünde in seinem Leben um. Eine Begebenheit aus dem vierten Kapitel des zweiten Buches ist besonders eindrücklich:

Hypergrace

Es gibt eine neue Strömung in der evangelikalen Bewegung, welche die Gnade Gottes auf eine Weise einseitig betont, daß kein Raum mehr bleibt für einen echten Aufruf zur Nachfolge. Vertreter dieser Perspektive, die von ihren Kritikern als „hypergrace“ bezeichnet wird, sehen die Aufgabe des Gesetzes fast ausschließlich darin, unsere Schuld aufzudecken und uns zu Christus zu führen. Unser ganzes christliches Leben besteht nun darin, immer wieder unsere Schuld anzuerkennen und die Gnade Gottes im Evangelium in Anspruch zu nehmen.

Gottes Souveränität in der Errettung

Nachdem Paulus in den ersten acht Kapiteln des Römerbriefs die wunderbare Weise entfaltet hat, wie Gott durch Jesus Sünder rettet, wendet er sich im neunten Kapitel der brennenden Frage zu: Wenn der Messias, der den Juden versprochen wurde, tatsächlich gekommen ist, wie kann es dann sein, daß die meisten Juden ihn ablehnen? Hat Gott seine Versprechen an das jüdische Volk und seinen Bund mit Abraham vergessen? Können wir uns als Christen dann überhaupt auf ihn verlassen, wenn er schon seinem alten Bundesvolk untreu wurde? In der Heilsgeschichte war das Schicksal des jüdischen Volkes zu diesem Zeitpunkt eine entscheidende Frage, weil sie Gottes eigenen Charakter in Frage stellte.

Schätze der Gnade: Impulse für die reformierte Bewegung

Das Martin Bucer Seminar hat das Jahrbuch 2013 mit dem Titel „Schätze der Gnade – Reformatorische Theologie im 21. Jahrhundert“ zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt. Darin sind unter anderem vier Aufsätze enthalten, die ich für die moderne reformierte Bewegung in Deutschland als sehr hilfreich empfinde.

Zum einen befaßt sich der Rektor des Martin Bucer Seminars, Thomas Schirrmacher, mit dem Reformator Johannes Calvin. Er stellt das Leben Calvins der schon zu Lebzeiten eintretenden Verleumdung entgegen, die dann in vielen Calvinbiographien kopiert wurde. Er war eben nicht der grausame, despotische, kalte Prädestinationsdiktator, sondern ein warmherziger, demütiger Christ, der seinen Beitrag zur Erneuerung der Kirche in Europa und zur Hinwendung zum Wort Gottes beigetragen hat. Der Artikel von Dr. Schirrmacher sollte helfen, Calvin als Identifikationsfigur teilweise zu rehabilitieren.