Das Primat der Erfahrung

Als ich neulich einem Pastor gegenüber andeutete, daß das Konzept Sünde und die Heiligkeit Gottes in seiner Verkündigung fehlen, antwortete er mir:

Ich erlebe Gott so nicht. Ich erlebe den Gott der Bibel als einen zugewandten Gott.

Ich halte diese Aussage als typisch für eine sogenannte Erfahrungstheologie. Bei dieser bestimmt meine Erfahrung, wie ich an einzelne Bibeltexte herangehe, welche Stellen ich mehr betone und welche ich weniger betone oder gar weglasse. Ich mache bestimmte Erfahrungen mit Gott, auf Grundlage einiger Bibelstellen die ich zur Anwendung bringe, und diese Erfahrungen bestimmen dann mein Bild von Gott, welches zu einer Brille wird, mit der ich den Rest der Bibel lese.

Himmelfahrt – Die unterschätzte Lehre

R.C. Sproul erwähnt in diesem Vortrag über die Heiligkeit Gottes, daß die glorreiche Himmelfahrt unseres Herrn Jesus in unseren theologischen Reflektionen viel zu wenig Beachtung findet. Dabei handelt es sich um seine Einsetzung als König.

Im Buch Daniel wird dieser Krönung folgendermaßen angekündigt:

Ich sah in den Nachtgesichten, und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels, gleich einem Sohn des Menschen; und er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn gebracht. Und ihm wurde Herrschaft, Ehre und Königtum verliehen, und alle Völker, Stämme und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergeht, und sein Königtum wird nie zugrundegehen. Daniel 7:13-14

Mark Driscoll ist zurück

Mark Driscoll arbeitet sich langsam wieder ins Rampenlicht zurück. Neulich wurde er in der christlichen Sendung LIVE Today exklusiv interviewt. Das ganze Interview findet man auf seiner Webseite.

Mir sind folgende Punkte bei dem Interview aufgefallen, die ich bezeichnend für die gegenwärtige Lage der evangelikalen Bewegung erachte:

Fehlende Rechenschaft

Driscoll erzählt, wie er relativ früh nachdem er zum Glauben gekommen war die Mars Hill Gemeinde gegründet hat. Als es dann zu Schwierigkeiten kam, zog er sich, nachdem er ein Wort von Gott hörte, mit seiner Familie zurück. Sie feierten dann gemeinsam in der Familie Gottesdienst. Als später die Kinder vorschlugen, Mark könne doch eine neue Gemeinde gründen, tat er das.

Gottes Selbstzentriertheit

Jonathan Edwards legt in seinem Buch „The End for Which God Created the World“ eine sehr genaue Analyse dar, warum Gott nichts anderes als seine eigene Herrlichkeit als oberstes Ziel der Schöpfung setzen konnte. Ein zentraler Absatz, der später von Bibelversen untermauert wird, begründet Gottes höchste Leidenschaft für sich selbst:

Thank you, Uzzah!

In einer denkwürdigen Predigt über die Heiligkeit Gottes greift R.C. Sproul diese besondere Geschichte aus dem Alten Testament auf:

6 Und David zog mit ganz Israel hinauf nach Baala, das ist Kirjat-Jearim, welches in Juda liegt, um die Lade Gottes, des HERRN, der über den Cherubim thront, wo sein Name angerufen wird, von dort heraufzuholen. 7 Und sie ließen die Lade Gottes auf einem neuen Wagen aus dem Haus Abinadabs führen; und Ussa und Achio lenkten den Wagen. 8 David aber und ganz Israel spielten vor Gott her mit aller Kraft, mit Liedern und Lauten, mit Harfen und Handpauken, mit Zimbeln und Trompeten. 9 Als sie aber zur Tenne Kidon kamen, streckte Ussa seine Hand aus, um die Lade zu halten; denn die Rinder waren ausgeglitten. 10 Da entbrannte der Zorn des HERRN über Ussa, und er schlug ihn, weil er seine Hand an die Lade gelegt hatte; und er starb dort vor Gott. 1. Chronik 13:6-10