Was sagt denn die Schrift?

Das baptistische Glaubensbekenntnis von 1649 enthält folgende interessante Passage zur Herangehensweise an die Heilige Schrift und zur Art und Weise, wie man Theologie betreiben sollte:

Der ganze Ratschluß Gottes bezüglich all der Dinge, die zu seiner eigenen Ehre und für die Erlösung, den Glauben und das Leben des Menschen notwendig sind, ist entweder ausdrücklich in der Schrift dargelegt oder kann mit Gewißheit aus der Schrift erschlossen werden. Zu ihr darf zu keiner Zeit irgend etwas hinzugefügt werden, weder durch neue Offenbarung des Geistes noch durch menschliche Überlieferungen. (siehe 2 Tim 3,15-17; Gal 1,8-9)

Quod non est biblicum, non est theologicum.

Ein zentrales Anliegen der Reformatoren war die Rückkehr zum Wort Gottes, der Bibel. Das Motto „sola scriptura“ drückte aus, daß die Schrift allein die Grundlage für alle theologischen Schlüsse sein sollte. Dazu kam das Prinzip von der Klarheit der Schrift (Perspikuität), welches betonte, daß Gott uns eine Offenbarung gegeben hat, die wir auch verstehen können, und die nicht erst durch Experten gefiltert werden muß.

Ausgehend von diesen Grundüberlegungen kam man zu folgender Überzeugung: Was nicht biblisch ist, ist auch nicht theologisch (quod non est biblicum, non est theologicum). Man wehrte sich gegen theologische Spekulationen, die sich vom Wort Gottes loslösen und nicht mehr durch klare biblische Stellen belegt werden können.

Das entfesselte Wort

Für mich als Ostdeutscher war es sehr ermutigend, die erste Evangelium21 Regionalkonferenz in unserer Region zu haben. Wir trafen uns vom 20. zum 21. Januar in der Leipzig English Church zum Thema „Das entfesselte Wort“.

Zunächst sprach Martin Reakes-Williams, Pastor der Leipzig English Church, über den Umgang Jesu mit dem Wort Gottes in Lukas 24. Jesus ging in seinem Dienst von der absoluten Zuverlässigkeit, Autorität und Klarheit der Schrift aus. Er ist unser Vorbild, wie wir das Wort Gottes behandeln sollten.

Mehr erleben

Es finden in Deutschland regelmäßig Konferenzen statt, die den Christen ein Mehr im Glauben versprechen. Ich habe dabei besonders die zwei großen vor Augen, die Willow Creek Konferenz und die Mehr Konferenz vom Gebetshaus in Augsburg. Der Zustrom ist gewaltig und ist Ausdruck einer Sehnsucht, mehr mit Gott zu erleben. Die Antworten und Angebote der Konferenzen unterscheiden sich zwar leicht (besuche eine hippe Gemeinde bei Willow Creek, connecte direkt mit Gott und anderen beim Gebetshaus), aber ich bezweifle, daß das Versprechen nach Mehr langfristig gehalten werden kann. Das hat vier Gründe.

Martin Luther – Wie man beten soll: Für Meister Peter den Barbier

Lieber Meister Peter, ich geb’s euch, so gut ich’s habe, und zwar so, wie ich mich selber beim Beten verhalte. Unser Herr Gott gebe euch und jedermann, es besser zu machen. Amen.

Erstens, wenn ich fühle, dass ich durch obliegende Geschäfte oder Gedanken kalt und unlustig zum Beten geworden bin – wollen doch das Fleisch und der Teufel allezeit das Gebet wehren und hindern-, so nehme ich mein Psalmbüchlein, laufe in die Kammer oder, wenn Tag oder Zeit dazu geeignet ist, in die Kirche unter die Leute und fange an, die zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis und, je nachdem ich Zeit habe, einige Sprüche von Christus, von Paulus oder aus den Psalmen bei mir selbst mündlich herzusagen, gerade so, wie es die Kinder machen.

Eine traurige Abkehr

Mich hat das Buch A Sad Departure, welches neulich bei Banner of Truth veröffentlicht wurde, sehr bewegt. Darin schildert Pfarrer David Randall, warum er und einige andere zu dem Punkt gekommen sind, die Kirche von Schottland zu verlassen. Der Titel des Buches ist doppeldeutig, denn der Abkehr der Gläubigen ging die Abkehr der Kirche von ihren Wurzeln in den Bekenntnissen und der Unterordnung unter die Autorität der Heiligen Schrift voraus.

Luthers letzte Predigt

kurz vor seinem Tode gehalten
am St. Matthiastage (15. Februar 1546)

25 Zu derselbigen Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbaret. 26 Ja, Vater, denn es ist also wohlgefällig gewesen vor dir. 27 Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennet den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. 28 Kommet her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken! 29 Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht. (Matthäus 11,25-30)

Von der Klarheit der Heiligen Schrift

Vom 10. bis 12. März fand in Hamburg die 6. Konferenz des Netzwerks Evangelium21 mit dem Thema „Gott beim Wort nehmen“ statt. Zu den Referenten gehörten Kevin DeYoung (University Reformed Church), William Taylor (St. Helen’s Bishopsgate) und Stephen Nichols (Reformation Bible College).

Ein Schwerpunkt der Konferenz lag auf der Lehre von der Klarheit (Perspikuität) der Heiligen Schrift. Dabei geht es um die grundsätzliche Verständlichkeit des Wortes Gottes. Gott hat auf eine Weise mit seinem Volk kommuniziert, die es ihm ermöglichen sollte, die zentralen Aussagen seines Wortes und den Weg der Erlösung leicht zu verstehen. Nur so kann die Bibel als eine Leuchte für unsere Füße und ein Licht für unseren Weg gelten (Psalm 119:105).

Sola Scriptura in einer neuen Reformation

„Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den Heiligen Geist als der Herr gegenwärtig handelt. Sie hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde als die Kirche der begnadigten Sünder zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte.

Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.“

Alarm um die Bibel

Ist das Wort Gottes vertrauenswürdig? Wie steht es um die zeitgenössische Bibelkritik? Hat sie die Bibel widerlegt? Auf welchen philosophischen Annahmen beruht sie? Diese und viele weitere Fragen behandelt Gerhard Bergmann in seinem Buch „Alarm um die Bibel“. Er schreibt dabei nicht in erster Linie für theologische Fachleute, sondern für die Christen in der Gemeinde. Zugleich will er aber die Vertreter der modernen Bibelkritik persönlich ansprechen und zur Umkehr aufrufen.