Die Schönheit der Tugend

Tugend ist ein Wort, das wir nur noch sehr selten gebrauchen. Jemand als tugendhaft zu bezeichnen, hört sich fremd an. Das liegt daran, daß wir der Ethik und dem moralischen Handeln keinen hohen Wert mehr beimessen. Ethik verbinden wir mit Pflicht und von der Pflicht wollen wir uns möglichst befreien. An dieser einseitigen Sicht auf die Ethik ist u.a. Immanuel Kant schuld, der das pflichtgemäße Handeln betonte.

Einen anderen Zugang zur Ethik hatte Jonathan Edwards. In seinem Buch „The Nature of True Virtue“ vergleicht er Tugend mit der Schönheit des Herzens. Sie bestehe nicht vornehmlich aus Pflichterfüllung, sondern aus Liebe zu Gott und den Menschen.

Der Gebrauch des Verstandes

Wir sind unter den Evangelikalen sehr vorsichtig, wenn es darum geht, den Verstand zu gebrauchen. Oft lauert aus unserer Sicht dahinter die Gefahr der Bibelkritik. Das hat natürlich eine Grundlage, denn zu oft hat sich die menschliche Ratio selbst vergöttert und sich immer mehr vom Vertrauen auf das Wort Gottes entfernt. Aber das ist kein zwangsläufiger Schritt. Gerade die Puritaner zeigten, wie die menschliche Vernunft wunderbar mit dem Wort Gottes zusammenarbeiten kann.

Warum hat Gott die Welt geschaffen?

Schuf Gott die Welt aus einem Mangel heraus – weil er die Menschen irgendwie brauchte? Oder schuf Gott die Welt, weil er ein Quell so voll an Güte und Herrlichkeit ist, daß er geneigt war, überzufließen und dadurch noch mehr verherrlicht zu werden? Jonathan Edwards gibt die Antwort darauf in seinem Buch „The End for Which God Created the World„:

Gottes Selbstzentriertheit

Jonathan Edwards legt in seinem Buch „The End for Which God Created the World“ eine sehr genaue Analyse dar, warum Gott nichts anderes als seine eigene Herrlichkeit als oberstes Ziel der Schöpfung setzen konnte. Ein zentraler Absatz, der später von Bibelversen untermauert wird, begründet Gottes höchste Leidenschaft für sich selbst:

Religiöse Gefühle bewerten

Der Apostel Paulus ruft uns auf:

Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, daß ihr unecht wärt! 2. Korinther 13:5

Ein Grund, warum Jonathan Edwards sein Buch Religious Affections geschrieben hat, welches mittlerweile auch auf Deutsch verfügbar ist, war es bekennende Christen genau dazu zu ermutigen. Er veröffentlichte sein Werk 1746 als Resultat einer tiefschürfenden Analyse und qualifizierten Verteidigung der ersten „Großen Erweckung“ in Amerika. Sie begann in seiner Gemeinde in Northampton, Massachusetts, im Jahr 1734.

Jonathan Edwards vs. N.T. Wright

Im November 1734 hielt Jonathan Edwards zwei Predigten, in denen er das reformatorische Verständnis der Rechtfertigung verteidigte. Es ist erstaunlich, wie sich die Argumente der Gegner von damals denen ähneln, die heute von der Neuen Paulusperspektive vorgebracht werden.

Angeblich wandte sich Paulus im Galaterbrief nicht gegen die Werke des Gesetzes an sich, sondern nur gegen das Zeremonialgesetz. Wenn er schreibt

Doch weil wir erkannt haben, daß der Mensch nicht aus Werken des Gesetzes gerechtfertigt wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, so sind auch wir an Christus Jesus gläubig geworden, damit wir aus dem Glauben an Christus gerechtfertigt würden und nicht aus Werken des Gesetzes, weil aus Werken des Gesetzes kein Fleisch gerechtfertigt wird. Galater 2:16

Jonathan Edwards über die besonderen Gaben des Heiligen Geistes

In einer Predigtreihe zu 1. Korinther 13 spricht Jonathan Edwards in seiner zweiten Predigt „Love More Excellent than the Extraordinary Gifts of the Spirit“ über die Rolle der gewöhnlichen und außergewöhnlichen Geistesgaben.

Zunächst unterscheidet er zwischen den allgemeinen Gaben des Heiligen Geistes, die auch Ungläubige erfahren können, und den rettenden Gaben. Der Heilige Geist überführt auch Ungläubige zuweilen von ihrer Sünde und erleuchtet sie auf eine gewisse Weise beim Lesen der Heiligen Schrift. Auch Ungläubige werden vom Geist Gottes manchmal mit Dankbarkeit gegenüber Gott erfüllt oder mit Trauer über die eigene Verlorenheit. Dem gegenüber gibt es ein Wirken des Heiligen Geistes, welches auf die Erwählten beschränkt ist. Ihnen schenkt er rettenden Glauben, Liebe und alle anderen erlösenden Gnadengaben.