Ohne Unterweisung leben Christen wie Säue

Als Martin Luther durch das Nachsinnen über Römer 1:16,17 zum Glauben an das Evangelium durchgestoßen war, dachte er zunächst, daß es von nun an ausreichen würde, allein das Evangelium zu verkünden, um die Menschen zu Christus zu führen und sie im Glauben zu erhalten. Außerdem ging er davon aus, daß Jesus bald wiederkommen werde und er Teil der endzeitlichen Erneuerung der Gemeinde sei. Als er merkte, daß beides nicht zutraf, begann er umzudenken. Er merkte, daß neben der Verkündigung des Evangeliums noch die gezielte Unterweisung der Gläubigen vonnöten ist, damit diese wirklich im Glauben an Christus gegründet werden und an praktischer Gottesfurcht zunehmen. Deshalb verfaßte er den kleinen Katechismus, in dessen Vorrede er auf sein Umdenken eingeht.

Ablenkungen vom Glauben

Im Laufe meiner Arbeit mit Studenten und später in der Gemeinde habe ich die Erfahrung gemacht, daß Christen, die gerade im Prozeß sind, im Glauben und in der Nachfolge zu wachsen, auf drei Wegen versucht werden:

  • Eine Beziehung, die sich plötzlich ergibt oder das Interesse daran, so daß nur noch wenig Zeit für Jüngerschaft bleibt bzw. die Versuchung besteht, Entscheidungen zu treffen, die den Glauben kompromittieren.
  • Studium bzw. Arbeit, die plötzlich so wichtig wird und Zeit in Anspruch nimmt, so daß wiederum nur noch wenig Zeit für Jüngerschaft übrigbleibt. Oder man nimmt eine Arbeitsstelle bzw. Studien-/Praktikumsplatz irgendwo auf, wo es keine gute Gemeinde gibt und der Jüngerschaftsprozeß nicht weiter unterstützt werden kann.

Drama, Lehre, Anbetung, Jüngerschaft

Michael Horton hat ein wunderbares Raster entwickelt, das uns helfen kann, die Bibel zu verstehen und anzuwenden. Es setzt sich aus vier Teilen zusammen:

Drama – die Geschichte, die Gott mit seinem Volk schreibt

Lehre – die Lehren, die aus dieser Geschichte folgen

Anbetung – die Anbetung, die die Geschichte und das, was sie über Gott lehrt, bei uns auslöst

Jüngerschaft – die Jüngerschaft, die als Frucht daraus entsteht

In seinem Buch „The Gospel Commission – Recovering God’s Strategy for Making Disciples“ schreibt Horton dazu folgendes:

Was ist die Aufgabe eines Pastors?

Colin Marshall und Tony Payne stellen in ihrem Buch „Das Spalier und der Weinstock“ ein Modell für die Gemeindearbeit vor, welches die Jüngerschaft des einzelnen Gemeindemitglieds im Zentrum hat. In Kapitel 8 vergleichen sie drei Dienstverständnisse des Pastors einer Gemeinde miteinander.

Das erste Modell „Der Pastor als Geistlicher“ ist die traditionelle Auffassung vieler reformierter oder lutherischer Gemeinden. Die Aufgabe des Pastors besteht darin, zu predigen und geistliche Dienste anzubieten. Der Sonntag hat mit seinem Gottesdienst einen hohen Stellenwert und an den Wochentagen kommt die Gemeinde wenn überhaupt, dann vorrangig zu besonderen Anlässen (Kasualien) zusammen. Der Pastor übt seinen Hirtendienst aus, indem er seelsorgerliche Gespräche führt und die Gemeindemitglieder zu Hause besucht. Im Grunde ist eine solche Gemeinde wie ein kleiner Tante-Emma-Laden oder ein 1-Mann-Betrieb: einer macht alles. Die Mitglieder der Gemeinde sind für die meiste Zeit Konsumenten, die daran interessiert sind, daß der Betrieb der Gemeinde aufrechterhalten bleibt.

9 Merkmale einer gesunden Gemeinde

Ich wurde kürzlich von einem Pastor gefragt, wie man die 9 Merkmale einer gesunden Gemeinde in eine bestehende Gemeinde einbringen kann. Hier ist meine Antwort dazu:

Auslegungspredigten
Ich denke, dieses Merkmal bildet die Grundlage für die anderen. Es ist wichtig, daß die Gemeinde einen guten Umgang mit dem Wort Gottes lernt. Durch Auslegungspredigten, besonders wenn man Vers für Vers durch ein Buch der Bibel geht, verändert sich das Denken der Gemeindemitglieder. Statt zu versuchen, die Bibel in ihr bestehendes Leben zu integrieren, lernen die Leute, ihr Leben innerhalb der biblischen Geschichte zu sehen und ihr Denken im Licht des Evangeliums zu verändern. Als Pastor haben sie die Möglichkeit, den Predigtdienst der Gemeinde zu beeinflussen. Ich würde empfehlen, daß sie sich ein Buch aus dem Neuen Testament vornehmen und es Vers für Vers auslegen. Vielleicht machen sie das schon. Als Ressource für diesen Teil empfehle ich das kleine Buch von David Helm – Die Auslegungspredigt.

Jüngerschaft in der dritten Generation

Download (mp3)

  • Der Hebräerbrief betont die langfristige Perspektive im christlichen Leben.
    • 14 Denn wir haben Anteil an Christus bekommen, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis ans Ende standhaft festhalten. (Hebräer 3:14)
    • 11 Wir wünschen aber, daß jeder von euch denselben Eifer beweise, so daß ihr die Hoffnung mit voller Gewißheit festhaltet bis ans Ende, 12 damit ihr ja nicht träge werdet, sondern Nachfolger derer, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen erben. (Hebräer 6:11-12)
    • 36 Denn standhaftes Ausharren tut euch not, damit ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung erlangt. (Hebräer 10:36)

Welche Gemeinde ist die richtige?

Wenn es darum geht, welche Gemeinde man als Christ besuchen sollte, ist es ratsam, sich nicht von äußerlichen Merkmalen wie der Schönheit des Gemeindegebäudes oder dem Stil des Lobpreises leiten zu lassen. Stattdessen sollte die Frage, wie das Evangelium in der Gemeinde gepredigt und gelebt wird das primäre Kriterium sein. So wie es für das eigene Leben am wichtigsten ist, daß man das Evangelium glaubt und aus dem Evangelium lebt, so gilt der gleiche Anspruch und die gleiche Priorität für die Gemeinde. Ich schlage folgende vier Kriterien vor, nach denen man eine neue Gemeinde prüfen sollte oder auch die eigene Gemeinde, in der man schon länger Mitglied ist.

Das Jüngerschaftsprinzip aus 2. Timotheus 2:2

Paulus nannte Timotheus sein „geliebtes Kind“ im Glauben (2. Timotheus 1:2). Er stammte aus einer Familie, die ihn schon früh in den Heiligen Schriften unterwies. Paulus führte ihn vermutlich während seiner ersten Missionsreise, als er auch die Heimstadt von Timotheus, Lystra, besuchte, zum Glauben an Jesus (siehe Apostelgeschichte 14:6-23). Dort stieß Paulus im Übrigen auf starken Widerstand und wurde sogar gesteinigt, wodurch er früh ein Vorbild für Timotheus wurde in der Bereitschaft, für das Evangelium zu leiden. Während seiner zweiten Missionsreise kehrte er nach Lystra zurück und wählte Timotheus zu seinem Begleiter aus (Apostelgeschichte 16:1-3). Obwohl Timotheus zu diesem Zeitpunkt erst circa 20 Jahre alt war, war er schon für seine Gottesfurcht bekannt. Er wurde für den Rest seines Lebens zum treuen Jünger, Freund und schließlich Mitarbeiter des Paulus. Mit ihm wirkte er in Beröa, Athen und Korinth, und er begleitete ihn auf seiner Reise nach Jerusalem. Er war mit Paulus in Rom bei dessen erster Gefangenschaft und ging nach seiner Freilassung nach Philippi. Paulus erwähnte ihn immer wieder in seinen Briefen und sandte ihn wiederholt als seinen Vertreter zu den Gemeinden. Timotheus wurde schließlich Pastor der Gemeinde in Ephesus.