Heilsgewißheit

Für Luther wie auch für Calvin war die Gewißheit des Heils eines der größten Gnadengaben des Evangeliums, welche durch die Reformation erst wieder neu entdeckt wurde. Daß aber um diese Gewißheit im Herzen des Gläubigen ein ständiger Kampf tobt, davon schreibt Luther in seinem Kommentar zum Galaterbrief:

Das Gebet Luthers beim Reichstag zu Worms

Als Martin Luther von den versammelten weltlichen und geistlichen Autoritäten seiner Zeit auf dem Reichstag zu Worms aufgefordert wurde, seiner Lehre und seinen Büchern abzuschwören, erbat er sich 24 Stunden Bedenkzeit. Während dieser Zeit sprach er ein Gebet, welches uns überliefert ist:

Martin Luthers Tauflehre im Widerspruch mit seiner Lehre vom Glauben

Im Kommentar zu Galater 3:27 macht Luther starke Aussagen dazu, was bei der Taufe angeblich passiert:

Weiter sind wir voll von böser Lust, Unreinheit, Geiz usw. Dieses Kleid, diese verderbte und sündige Natur haben wir durch Abstammung von Adam her überkommen; Paulus redet da von dem alten Menschen. „Der ist auszuziehen mit seinen Werken“, Epheser 4,22, Kolosser 3,9, wir sollen aus Adams Söhnen Gottes Kinder werden. Das geschieht nicht durch Änderung des Gewandes, nicht durch irgendwelche Gesetze oder Werke, sondern durch die Wiedergeburt und Erneuerung, die in der Taufe geschieht. Davon redet Paulus in diesem Brief Kapitel 3,27: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, habt Christus angezogen.“ Titus 3,5 steht: „Nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt etc.“ Es erhebt sich nämlich in den Getauften ein neues Licht und eine neue Flamme, es entstehen neue und fromme Regungen, Furcht Gottes, Vertrauen zu Gott, Hoffnung etc., es entsteht ein neuer Wille.

Ohne Unterweisung leben Christen wie Säue

Als Martin Luther durch das Nachsinnen über Römer 1:16,17 zum Glauben an das Evangelium durchgestoßen war, dachte er zunächst, daß es von nun an ausreichen würde, allein das Evangelium zu verkünden, um die Menschen zu Christus zu führen und sie im Glauben zu erhalten. Außerdem ging er davon aus, daß Jesus bald wiederkommen werde und er Teil der endzeitlichen Erneuerung der Gemeinde sei. Als er merkte, daß beides nicht zutraf, begann er umzudenken. Er merkte, daß neben der Verkündigung des Evangeliums noch die gezielte Unterweisung der Gläubigen vonnöten ist, damit diese wirklich im Glauben an Christus gegründet werden und an praktischer Gottesfurcht zunehmen. Deshalb verfaßte er den kleinen Katechismus, in dessen Vorrede er auf sein Umdenken eingeht.

Luther über faule Prediger und Pastoren

In der Vorrede zu seinem großen Katechismus schreibt Martin Luther:

Dass wir den Katechismus so sehr treiben und zu treiben beide begehren und bitten, haben wir nicht geringe Ursache, dieweil wir sehen, dass leider viel Pfarrherrn und Prediger hierin sehr säumig sind und verachten beides, ihr Amt und diese Lehre, etliche aus großer hoher Kunst, etliche aber aus lauter Faulheit und Bauchsorge, welche sich nicht anders zur Sache stellen, denn als wären sie um ihres Bauches willen Pfarrherrn oder Prediger und müßten nichts tun, denn der Güter gebrauchen, solange sie leben; wie sie unter dem Papsttum gewohnt.

Gesetz vs. Evangelium

Martin Luther hat in seinem theologischen Denken sehr stark zwischen den Begriffen Gesetz und Evangelium unterschieden. In seinem Kommentar zum Galaterbrief schreibt er:

Wenn ein Pferd reden könnte, müßte es zugestehen, daß es zwei verschiedene Dinge sind, wenn ihm das eine Mal der Pferdeknecht Hafer zum Fraß vorwirft und wenn er ein anderes Mal auf ihm reitet. So sind Verheißung und Gesetz so weit wie Himmel und Erde voneinander entfernt. Das Gesetz fordert: Tu das! Die Verheißung schenkt: Nimm das!

Das Evangelium und die Reformation in einer These Luthers

In der letzten These der Heidelberger Disputation brachte Martin Luther das besondere am Evangelium und das ganze Anliegen der Reformation auf den Punkt.

Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt. Die Liebe des Menschen entsteht nur an dem, was sie liebenswert findet.

Luthers Thesen zur Theologie des Kreuzes aus der Heidelberger Disputation

19. Der ist es nicht wert, ein Theologe genannt zu werden, der Gottes »unsichtbares« Wesen »durch seine Werke erkennt und versteht« (Römer 1,20).

Das wird an denen klar, die solche »Theologen« waren und doch vom Apostel Römer 1,22 »unverständig« genannt werden. Das unsichtbare Wesen Gottes ist seine Kraft, seine Gottheit, seine Weisheit, Gerechtigkeit, Güte u.ä. Die Erkenntnis alles dessen macht nicht würdig und weise.