Die Gerechtigkeit Christi im Evangelium

Ein wichtiger Aspekt des Evangeliums, der bei der Verkündigung heute aber oft zu kurz kommt oder gar nicht erwähnt wird, ist die Zurechnung der Gerechtigkeit Christi. Oft wird das Evangelium nur halb etwa so verkündigt: Unsere Sünden trennen uns von Gott. Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Wenn wir an Jesus glauben, gilt sein Tod für uns und wir können mit Gott versöhnt werden.

Das ist aber nicht das biblische Evangelium, zumindest nicht das Ganze. Es kommt nämlich noch ein zweiter Teil hinzu. Nicht nur, daß Jesus für uns gestorben ist und unsere Schuld ihm zugerechnet wurde, sondern er hat auch für uns gelebt und das Gesetz erfüllt und seine Gerechtigkeit wird uns zugeschrieben. Der Heidelberger Katechismus drückt diesen zweiten Teil auf wunderbare Weise aus:

Martin Luthers Kommentar zum Galaterbrief

In seinem Kommentar zum Galaterbrief verteidigt Luther das Evangelium auf energischste Weise (wie der Apostel Paulus selbst in seiner Epistel). Ich kann manche Aussagen Luthers zu den, wie er sie nennt, Sektierern und Wiedertäufern nicht teilen und denke, daß er nicht in allen Punkten seine Gedanken durch das Wort Gottes reformieren läßt, sondern doch mitunter zur Eisegese bzw. Sprungbrettauslegung neigt.

Aber, der Hauptpunkt des Galaterbriefs, daß wir nicht durch eigene Werke, sondern durch eine fremde Gerechtigkeit, die Martin Luther passive Gerechtigkeit nennt, vor Gott gerechtfertigt werden, den hämmert er eindrücklich in den Schädel jedes Lesers. Kein Wunder, daß Charles Wesley, der Bruder von John Wesley, durch das Lesen dieses Kommentars zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist.