Mark Driscoll ist zurück

Mark Driscoll arbeitet sich langsam wieder ins Rampenlicht zurück. Neulich wurde er in der christlichen Sendung LIVE Today exklusiv interviewt. Das ganze Interview findet man auf seiner Webseite.

Mir sind folgende Punkte bei dem Interview aufgefallen, die ich bezeichnend für die gegenwärtige Lage der evangelikalen Bewegung erachte:

Fehlende Rechenschaft

Driscoll erzählt, wie er relativ früh nachdem er zum Glauben gekommen war die Mars Hill Gemeinde gegründet hat. Als es dann zu Schwierigkeiten kam, zog er sich, nachdem er ein Wort von Gott hörte, mit seiner Familie zurück. Sie feierten dann gemeinsam in der Familie Gottesdienst. Als später die Kinder vorschlugen, Mark könne doch eine neue Gemeinde gründen, tat er das.

Die himmlische Eisenbahn

Nathaniel Hawthorne schrieb im 19. Jahrhundert eine Kurzgeschichte, die eine Fortsetzung von Bunyans Pilgerreise darstellt. Der aufreibende Pilgerweg wurde in der Geschichte von pragmatischen Gemeindebauern in eine Eisenbahn umgewandelt, welche die Pilger möglichst schnell und bequem zu ihrem himmlischen Ziel bringen soll. Nur daß sie am Ende eine böse Überraschung erleben, denn der Erbauer der Eisenbahn ist der Teufel selbst, der sich die ganze Zeit über verstellt hat.

Die Kurzgeschichte ist ein wunderbarer Kommentar auf moderne Gemeinden, die nicht klar das Wort Gottes verkündigen, sondern die Botschaft anpassen, um möglichst viele Menschen anzuziehen. Sie könnte nicht aktueller sein.

Richter 17 – Pragmatischer Glaube

Nach den Ereignissen bei der Mars Hill Gemeinde in Seattle und Olaf Latzels Gemeinde in Bremen denke ich immer wieder darüber nach, wie pragmatisch und kurzsichtig wir oft mit Themen und Entscheidungen im christlichen Leben umgehen. Statt Martin Luthers „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“, handeln wir oft nach dem Motto: „Ich stehe nirgends und kann immer anders.“ Wir versuchen oft nicht zu Themen den wirklich biblischen Standpunkt herauszufinden und dann als Liebe zu unserem Herrn umzusetzen, sondern wir tun das, was sich gerade ergibt oder am meisten Frucht verspricht. Dieses Denken habe ich in der Studentenarbeit auch oft bei Fragen der Beziehungsethik erlebt, wenn argumentiert wird: „Na, das schadet doch niemanden.“, „Wir haben doch sowieso vor, zu heiraten.“ und „Das ist nicht mehr zeitgemäß.“