Von der Angst befreit

Eduard Lohses Einleitung zu den Mysterienreligionen im alten Griechenland kommt mir merkwürdig aktuell vor:

Aberglaube und Schicksalsvorstellung, Wundersucht, Astrologie und Magie, die in hellenistischer Zeit zahlreiche Anhänger gefunden hatten, lassen erkennen, daß die Menschen von tiefer Sorge und Lebensunsicherheit erfaßt waren. Bedroht von Mächten und Dämonen, von Krankheiten und unvorhergesehenen Schicksalsschlägen, lebte man in Ungewißheit und Angst und fühlte sich übermächtigen Gewalten unterworfen, denen gegenüber man sich nicht zu behaupten vermochte. Durch allerlei Praktiken und Vorsichtsmaßnahmen suchte man sich zu wappnen und zu schützen, um dem Schicksal standhalten zu können. Die Frage, wie man einem düsteren Untergang entrinnen und von der Angst befreit werden könne, verlangte nach einer Antwort. Diese Antwort gaben für ihren Teil die Mysterienreligionen, die dem Menschen Rettung verhießen, indem sie ihm heilende Kraft anboten, die dem Leiden und selbst dem Tode Widerstand leisten sollte.