Du wirst, was du anbetest!

Ihnen gleich werden die, welche sie machen, alle, die auf sie vertrauen. Psalm 115:8

Götzendienst beginnt damit, daß wir Gott, die Allgenugsamkeit (El-Shaddai, 1. Mose 17:1), verlassen und unser Glück woanders suchen. All das, woraus wir unser tiefstes Glück, unseren Wert und unser letztes Ziel beziehen, ist unser Götze. Wir beten diese Götzen an, indem wir ihnen unsere Zeit, unser Geld und schließlich unser ganzes Leben weihen.

Anbetung verändert uns. So wie ein Christ, der den wahren Gott der Bibel anbetet, immer mehr in dessen Bild verwandelt wird (2. Petrus 1:4), so verwandelt sich der Götzendiener immer mehr in das Bild seines Götzen. Er nimmt immer mehr dessen Eigenschaften an.

Anbetung, der Schlüssel zur Veränderung

Laut dem biblischen Weltbild wird unser ganzes Leben von unserem Herz bestimmt.

Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus. Sprüche 4:23

Das Herz wiederum wir primär von der Anbetung getrieben. Der Kern des menschlichen Problems sowie Zeichen und Ausdruck unseres Abfalls von Gott ist die falsche Anbetung unseres Herzens.

Sie haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht. Römer 1:23

Evangeliumsamnesie in der Gemeinde

Timothy Lane und Paul Tripp warnen in ihrem Buch „Alles anders – aber wie?“ davor, daß nicht nur einzelne Christen, sondern auch eine ganze Gemeinde das Evangelium vergessen kann (eine sogenannte Evangeliumsamnesie).

Dabei hat der Grad, inwieweit die Mitglieder der Gemeinde das Evangelium verstehen und auf ihr Leben anwenden können, tiefgreifenden Einfluß auf die Kultur der Gemeinde. Die Autoren beschreiben folgenden Prozeß, der normalerweise in der Ortsgemeinde abläuft:

  1. Jede Woche gibt es in der Gemeinde Menschen mit einer Vielfalt an Problemen.
  2. Die Bibel lehrt, daß wir alles haben, um diesen Menschen zu helfen (siehe 2. Petrus 1:3).

Die Gerechtigkeit Christi im Evangelium

Ein wichtiger Aspekt des Evangeliums, der bei der Verkündigung heute aber oft zu kurz kommt oder gar nicht erwähnt wird, ist die Zurechnung der Gerechtigkeit Christi. Oft wird das Evangelium nur halb etwa so verkündigt: Unsere Sünden trennen uns von Gott. Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Wenn wir an Jesus glauben, gilt sein Tod für uns und wir können mit Gott versöhnt werden.

Das ist aber nicht das biblische Evangelium, zumindest nicht das Ganze. Es kommt nämlich noch ein zweiter Teil hinzu. Nicht nur, daß Jesus für uns gestorben ist und unsere Schuld ihm zugerechnet wurde, sondern er hat auch für uns gelebt und das Gesetz erfüllt und seine Gerechtigkeit wird uns zugeschrieben. Der Heidelberger Katechismus drückt diesen zweiten Teil auf wunderbare Weise aus:

Unsere geliebten Götzen

In seinem Buch über Götzendienst gibt Timothy Keller am Ende eine Liste zeitgenössischer Götzen mit, die auch heute noch unser Leben beherrschen. Martin Luther sprach in seiner ersten These davon, daß unser ganzes Leben ein Abwenden von unseren falschen Göttern und ein Hinwenden zum wahren Gott sein sollte:

Als unser Herr und Meister Jesus Christus sagte: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“, wollte er, daß das ganze Leben der Glaubenden Buße sei.

Gebet für Veränderung

Wer sich nach tiefer Veränderung sehnt, dem kann ich diese zwei Gebete empfehlen, um damit täglich vor Gott zu treten.

William Cowper

The dearest idol I have known,
Whate’er that idol be,
Help me to tear it from thy throne,
And worship only thee.

Hudson Taylor

Lord Jesus, make Thyself to me
A living, bright reality,
More present to faith’s vision keen
Than any outward object seen,
More near, more intimately nigh,
Than e’en the sweetest earthly tie.

Veränderung durch das Evangelium

Wer nicht nur gute Ratschläge und oberflächliche geistliche Techniken sucht, sondern sich eine tiefe Veränderung des Herzens wünscht, der sollte das Buch „Alles anders – aber wie?“ von Timothy Lane und Paul Tripp lesen. Es geht eben nicht nur darum, ein paar Bibelverse zu lernen und für ein Thema zu beten, so hilfreich das trotzdem sein mag, sondern das eigene Denken und Handeln mit dem Evangelium zu verbinden.

Wahre Veränderung geschieht, wenn man lernt, sich im Drama der Erlösung Gottes wiederzufinden, daraus die Lehren des Evangeliums zu entdecken und in Anbetung zu verfallen darüber, wie Gott sein Volk rettet. Aus dieser Anbetung folgt der Jüngerschaftsprozeß eines Christen und der Veränderungsprozeß in seelsorglich gesonderten Bereichen.